Festlich und doch unprätentiös, feierlich, aber keineswegs steif: so begingen die Privaten Realschulen Marktbreit am vergangenen Montag den 180. Geburtstag der Schulgründung der heutigen Leo-Weismantel Realschule im Jahr 1845. In Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste erinnerten Schülerinnen und Schüler in unterschiedlichen Formaten an die bedeutenden Wegmarken der Schulgeschichte, ehe die Jubiläumsveranstaltung dann musikalisch ausklang.
In der vollbesetzten Schulaula konnten die beiden Schulleiter – Ina Härtel für die Leo-Weismantel-Realschule Marktbreit und Andreas Strümper für die 1984 angegliederte Realschule des Bildungswerks Marktbreit – die zahlreich erschienenen Fest- und Ehrengäste begrüßen. Neben den politischen Amtsträgern waren auch zahlreiche Ehemalige und eine Enkelin von Leo Weismantel eingeladen, nach dem die Schule 1988 benannt wurde.
Aus München eigens angereist war die bayerische Staatsministerin für Unterricht und Kultus Frau Anna Stolz, die in ihrem Grußwort die Bedeutung der schulischen Bildung an den Marktbreiter Realschulen für die Stärkung der Demokratie hervorhob. Das in der Schule vermittelte Wissen vermag nicht nur vor Populismus und Fake News zu schützen, sondern auch den Jugendlichen erfolgreiche Wege in die berufliche Zukunft zu eröffnen. Als kleines Geschenk hatte sie ein Ortsschild dabei, welches das Ende von Rassismus und Diskriminierung anzeigte und als Zielort Gleichbehandlung und Toleranz angab. Überreicht wurde das Schild an drei Schüler, die im Schülerlandeswettbewerb 2024/ 2025 zum Thema „Mittelalter ist überall – Spurensuche in Bayern“ mit einer Anerkennungsurkunde ausgezeichnet worden waren.
Im Anschluss an das Grußwort der Ministerin hob auch die Kitzinger Landrätin Tamara Bischof hervor, wie enorm wichtig die schulische Ausbildung in Bayern und Deutschland ist. Denn bei uns gebe es nur relativ wenige Rohstoffe oder seltene Erden, unsere Rohdiamanten der Zukunft seien vielmehr die hochqualifizierten Jugendlichen. Gerade darin bestehe das große Verdienst der privaten Realschulen Marktbreit – und dies nun schon seit 180 Jahren.
Dass man in der Schule nicht nur für die Schule selbst lernt, sondern vorbereitet wird auf das berufliche und gesellschaftliche Leben am Ort, in der Region und ganz Bayern, daran erinnerte Harald Kopp, Erster Bürgermeister von Marktbreit und zugleich Mitglied im Verwaltungsrat des Realschulvereins Marktbreit. Seit 1845 übernehmen Absolventinnen und Absolventen der Realschulen wichtige Funktionen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Marktbreit und der gesamten Region. Dies allein zeige schon die große Verbundenheit der Schule mit der Stadt Marktbreit und dem Landkreis Kitzingen und umgekehrt.
In der kurzweiligen Feierstunde kam es dann den Schülerinnen und Schülern zu, einen kurzen Überblick über die Schulgeschichte zu geben: Die Klasse 6a erinnerte in Kurzvorträgen und Plakaten an die wichtigsten historischen Ereignisse in der Schulgeschichte.
(1) Beginn des Unterrichts in Handelskunde 1845 durch den zugezogenen Mitbürger Salomon Wohl,
(2) 1875 Neubau der Schulgebäude durch Joseph Damm in der Ochsenfurter Straße,
(3) die wechselvolle Periode der „Privaten Köppl’schen Real- und Handelsschule“ vom Kaiserreich über die Weimarer Republik und die Zeit des Nationalsozialismus bis ins Nachkriegsdeutschland hinein (1905-1956),
(4) die Entwicklung der staatlich genehmigten „Privaten Mittelschule für Knaben“ (1954) zur staatlich anerkannten „Privaten Realschule Marktbreit, die immer mehr Zulauf hatte;
(5) den Umzug (1984) in die neuen Räume an der Buheleite 20 und die Angliederung der Realschule des Bildungswerks Marktbreit und schließlich
(6) die Benennung der Realschule nach dem fränkischen Schriftsteller und Reformpädagogen Leo Weismantel (1988).
Die Schüler der Schulgeschichts-AG führten ein interessantes Interview mit der 93-jährigen Gertrud Müller, die 1951 von der Schule abging. Eindrucksvoll schilderte sie, wie gefährlich der Schulweg in den letzten Kriegswochen war, als britische Bomber die Fahrschüler aus Ochsenfurt zwang, auch einmal Schutz unter den Waggons zu suchen.
In einer mitreißenden Bühnenshow präsentierten wieder die Sechstklässler kreative Hutmoden in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Im Anschluss an den offiziellen Teil war es möglich, drei liebevoll zusammengestellte Ausstellungen zu besuchen: (1) zum Schulalltag früher und heute, (2) zu Leo Weismantel (1888-1964), nach dem die Leo-Weismantel-Realschule 1988 benannt wurde, und (3) zu ehemaligen Schülern, die im Vorfeld zu ihren markantesten Schulerlebnissen befragt worden waren.
Den Abschluss bildete ein beschwingtes Konzert der „Railway-Station-Bigband“ aus Gädheim, das die gesamte Schulfamilie und ihre Gäste zum Picknick im Freien einlud.

